Anonim

Spannende Geschichten über ein nie zuvor gesehenes Virus, einen 5-jährigen Demenzkranken, der auf die Behandlung anspricht, und Krebsmedikamente, die diese Woche von Schallwellen überfluteten Nachrichtenseiten und Social-Media-Threads geliefert werden. Sie haben diese Geschichten jedoch nicht in den Medscape Medical News gefunden. Hier ist der Grund.

Forscher in Österreich isolierten ein bisher unbekanntes Virus aus 111 Proben menschlicher Körperflüssigkeiten. Ihre Studie wurde in der Zeitschrift Frontiers in Microbiology veröffentlicht. Die Wissenschaftler beschäftigten sich mit der sogenannten "viralen Dunklen Materie": den Populationen von Bakteriophagen - Viren, die Bakterien infizieren -, die den menschlichen Körper besetzen. Bakteriophagen sind von Interesse, weil sie Antibiotikaresistenzgene auf die von ihnen infizierten Bakterien übertragen können, was für den Menschen zu einem Problem wird.

Fast jede siebte der Forschungsproben enthielt Bakteriophagen, und eine enthielt einen Phagen, der zuvor nicht identifiziert worden war. Ebenso überraschend war, dass zwei Drittel der Proben, die Bakteriophagen enthielten, nicht ihren angeblichen Wirt Escherichia coli enthielten, was darauf hindeutet, dass Phagen ohne Bakterien transportiert werden können, sagten die Forscher in einer Pressemitteilung.

Die Schlagzeilen über ein "neues Virus beim Menschen" waren eindeutig etwas irreführend. Diese explorative Forschung, die mit einer kleinen Anzahl von Proben durchgeführt wurde, kann das wissenschaftliche Verständnis der Phagen im menschlichen Körper verbessern, beeinflusst jedoch nicht die klinische Praxis. Die Studie bietet keine neuen Beweise dafür, dass Phagen die menschliche Gesundheit beeinflussen.

Im Alter von 3 Jahren wurde bei Harley Bond das Sanfilippo-Syndrom diagnostiziert, eine seltene genetische Störung, die zu Demenz bei Kindern und tödlichen Hirnschäden führt. Kindern wie Harley fehlt eines von vier Enzymen, die zur Metabolisierung eines großen Zuckermoleküls namens Heparansulfat erforderlich sind. Ohne das Enzym sammelt sich Abfall im Gehirn an und verursacht Hirnschäden. Nach der Teilnahme an einer klinischen Studie zeigt Harley laut Nachrichtenberichten allmählich Verbesserungen.

Derzeit gibt es keine Behandlungen für die Erkrankung und die meisten Kinder überleben das Erwachsenenalter nicht. Die klinische Studie, die von zwei US-amerikanischen Pharmaunternehmen angeboten wird, umfasst ein implantiertes Gerät, das kleine Mengen des fehlenden Enzyms freisetzt. Insgesamt 22 Kinder nehmen weltweit an der Studie teil. Mit dem Implantat hat sich Harleys Sprache verbessert und er kann seine Eltern an den meisten Tagen erkennen. Das Medikament ist kein Heilmittel, aber seine Eltern hoffen, dass es das Fortschreiten der Krankheit verhindern kann.

Während Harleys Fortschritt sicherlich eine gute Nachricht für seine Familie ist, kann uns ein in den Medien beschriebener Einzelfall aus klinischer Sicht nicht viel sagen. Eine Peer-Review-Analyse der Gesamtleistung des Arzneimittels bei allen behandelten Kindern, die noch nicht veröffentlicht wurde, wäre für Neurologen, die Kinder mit Sanfilippo-Syndrom behandeln, wertvoller.

Wissenschaftler der University of California in Los Angeles sagen, dass sie möglicherweise Schallwellen verwenden können, um Krebsmedikamente direkt an die Stelle eines Tumors zu lenken. In einer in Applied Physics Letters veröffentlichten Studie verwendeten die Forscher akustische Schwingungen, um winzige Wasserblasen, die 13% der Breite eines menschlichen Haares entsprechen, durch Röhren in Schweinegewebe zu manövrieren. Mithilfe der ultraschnellen Bildgebung verfolgten sie die Bewegung der Blasen durch das Modell. Wenn die Mikrobläschen Krebsmedikamente enthalten würden, könnte die Methode eine präzisere und weniger nachteilige Behandlung ermöglichen.

Die Prüfung ist derzeit auf die in Schweinefleisch eingeführten Röhrchen beschränkt. Die Autoren hoffen, dass ihr nächster Schritt Lebendtierstudien beinhalten wird, daher ist diese Behandlungsmethode Jahre von Tests in der Klinik entfernt. Es ist interessantes Science-Fiction, aber für vielbeschäftigte Onkologen noch nicht relevant.

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