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BERLIN (Reuters) - Siegfried Richtsteig wartet seit mehr als 130 Tagen im Krankenhaus auf ein Herz, das es ihm ermöglicht, die Dinge zu tun, die ihm am besten gefallen haben, wie das Spielen mit seinen Enkelkindern, bevor ein Schlaganfall das Organ irreparabel beschädigte.

Aber die Zeit tickt. Er ist 64 Jahre alt und kann nach deutschem Recht mit 65 Jahren nicht transplantiert werden, da in einem Land, in dem rund 10.000 auf der nationalen Warteliste stehen, knappe Organe für jüngere Patienten aufbewahrt werden.

"Ich bin bereits 64 Jahre alt und die Zeit läuft davon", sagte Richtsteig, der in seinem Krankenhausbett saß und an eine kleine Maschine angeschlossen war, die sein Herz höher schlagen lässt. "Es könnte dann enden, dass ich auf nichts gewartet habe."

Er hat Grund, pessimistisch zu sein.

Der deutsche Bundestag hat am Donnerstag gegen einen Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn gestimmt, der es den Behörden erleichtert hätte, Organe von Menschen zu sammeln, die in Deutschland sterben, wo nur 36% einen Organspenderpass haben.

Im Jahr 2018 spendeten laut Gesundheitsministerium nur 955 Menschen Organe in einem Land mit mehr als 80 Millionen Menschen.

Der von Spahn vorgeschlagene Gesetzesentwurf hätte es den Behörden ermöglicht, Organe von Menschen zu sammeln, die sterben, wenn zwei Bedingungen erfüllt wären: Sie gaben während ihres Erwachsenenlebens nicht an, dass sie keine Spender sein wollten, und ihre Familien hatten keine Einwände gegen die Entnahme ihrer Organe nach ihrem Tod.

Bei Systemen, die es effektiv zum Standard machen, Organspender zu sein, sind in einigen Ländern die Spendenquoten gestiegen - obwohl diese Erhöhung nicht universell ist.

Der Gesetzentwurf wurde mit 379 gegen und 292 gegen abgelehnt.

Der Bundestag genehmigte stattdessen einen Vorschlag, der von grünen und konservativen Gesetzgebern unterstützt wurde und der darauf abzielt, mehr Deutsche zu ermutigen, Geber zu werden, indem ein vereinfachtes nationales Spendenregister erstellt wird.

"Das ist kein Richtig oder Falsch und es ging nicht darum zu gewinnen oder zu verlieren", sagte Spahn nach der Abstimmung auf Twitter. "Es geht darum, Menschen zu helfen. Die öffentliche Debatte, die ausgelöst wurde, war etwas für sich."

Manfred Hummel, Direktor des Paulinen-Krankenhauses in Berlin, sagte, Deutschland importiere Organe von europäischen Nachbarn, die aufgrund einfacherer Sammelregeln und weniger Bürokratie wie Österreich, Belgien und den Niederlanden einen Überschuss haben.

"Die Bürger sind meiner Ansicht nach nicht bestrebt, proaktiv zu sein und zu sagen, ich werde Spender", sagte Hummel und stand neben Richtsteigs Bett.

Er fügte hinzu, dass die Priorität der Regierung nach der Niederlage im Parlament darin bestehen sollte, sich für die Förderung der Organspende einzusetzen.

"Es ist so viel Papierkram erforderlich, um eine Spende zu ermöglichen", sagte Richsteig. "Angesichts eines Papierstapels sagen die Leute: 'Ich kann mich nicht darum kümmern'."